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Prickelnde Silly-Klassiker in neuem Gewand
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Elektroakustik-Tour mit Sängerin Anna Loos ist ein Gewinn für die Fans
JENA. Silly-Fans mögen nicht nur die leisen Töne. "Sie klingen immer noch
sehr rockig", beruhigt Kerstin Grottker, die vielbeschäftigte Frau hinter
dem Verkaufsstand mit CD's und T-Shirts. Sie muss es schließlich wissen. Ihr
Bruder Jäcki Reznicek zupft seit 1986 den Bass bei Silly und ist einer von
drei Musikern, die das Unternehmen Silly weiterhin auf Kurs halten möchten.
Und dies mit Erfolg. Nach ausverkauften Konzerten wie zuletzt in Leipzig und
Weinböhla bescherte die Elektroakustik-Tour auch dem Volkshaus in Jena einen
voll besetzten Saal. "Noch vor einer Woche hatte ich richtige Angst, als wir
nur 250 Karten verkauft hatten", berichtete Heidi Waldmann, die
künstlerische Leiterin des Hauses. Mit Konzertbeginn waren fast alle 770
Stühle im Saal und auf dem Rang besetzt.
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Apropos Stühle: "Heute haben die Besucher etwas länger gebraucht, ehe sie
sich von ihren Sitzplätzen erhoben haben", hatte Kerstin Grottker in Jena
beobachtet. Doch das lag scheinbar eher am Ambiente des altehrwürdigen
Hauses und weniger an der Stimmungslage des Publikums.
Mit Neffen Sebastian Reznicek am Schlagzeug gehört ein weiteres
Familienmitglied zur Band, der, so Sängerin Anna Loos, "den Geist von Silly
schon mit der Geburt erhielt".
Anna Loos ist auf dem besten Weg, ein festes Mitglied der Silly-Familie zu
werden. Eindeutig gehört ihre Vorliebe den Liedern jüngeren Datums, deren
Texte Tamara Danz schrieb (Alben "Hurensöhne" und "Paradies"). Zu ihrem
Lieblingslied erklärte sie "Wo bist du" aus dem Album "Paradies", welches
schon Rosenstolz auf ihrer Tour 2006 spielten. Wie eng sich die
Schauspielerin mit Gesangausbildung diesen Zeilen verbunden fühlt, hört man
ihr auf der Bühne an. Den Gesangpart bei Silly meistert sie in Jena sehr
souverän, schon allein deshalb, weil sie an diesem Tag "mit dem letzten
Stück Stimme" erfolgreich einer Grippe trotzt. |
Die Fans der Berliner Band kommen bei Titeln älteren Datums ebenso auf ihre
Kosten. Nur einmal packen Uwe Hassbecker und Gast Reinhard Petereit
gleichzeitig die Gitarren mit Verstärker aus und lassen es richtig krachen
("Alles wird besser"). Akustikgitarre, Akustikbass, Flügel und Cello,
letzteres meisterhaft von Daniel Hassbecker bedient, umgarnen den Gesang bei
"Mont Klamott" und "Bataillon d'amour". Den Zuschauern stehen bei diesem
Hörerlebnis die Emotionen ins Gesicht geschrieben, Gänsehaut-Erlebnis
inklusive. Ebenso packend ist die "Kleine Frau" arrangiert. Während "Bye,
Bye" setzt sich Anna Loos anstelle von Ritchi Barton kurz an den Flügel und
beweist, dass sie ein Multitalent ist."Musikalisch werden die Lieder auf unserer Tour fast auf ihre Essenz
dezimiert, was ihre Qualität unterstreicht und zu sehr interessanten
Arrangements geführt hat, so dass auch die für Silly-Fans bekannten Lieder
eine neue Nuance bekommen", sagte die Sängerin und unterstreicht während des
zweistündigen Konzertes eindrucksvoll ihre Aussage.
Anna Loos ist bei den Fans von Silly angekommen. "Und sie wird von Konzert
zu Konzert besser", schwärmt Kerstin Grottker.
MARIO KEIM
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Beim Singen gibt es kein Rollenspiel
Interview mit der Schauspielerin und Sängerin Anna Loos, auf Tour mit Silly
Das Konzert in Erfurt ist zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit verschoben
worden und findet nunmehr am 17. Februar statt. Auch das Gastspiel im Jenaer
Volkshaus war im November ausgefallen. Müssen Silly-Fans jetzt besonders
viel Geduld aufbringen?
Anna Loos: Nein, Quatsch. Auch für uns ist es sehr ärgerlich, kann sich doch
jeder vorstellen. Wer verärgert schon freiwillig seine Fans? Aber etwas
möchte ich dazu noch sagen: Die Band und all die Leute, die mit und für
Silly arbeiten sind Menschen, und Menschen machen ab und zu Fehler, das kann
passieren und ist zwar in diesem Fall Scheiße, aber so ist es halt. Fehler
passieren Menschen, und aus Fehlern lernen wir. Es tut uns allen wahnsinnig
leid und wir werden hochmotiviert in Jena und Erfurt aufspielen, um das
ganze vergessen zu machen.
Musiker und immer mehr Fans bezeichnen Sie als Glücksfall für die Band. Wie
lautet Ihre Einschätzung seit Ihrem Einstieg im Herbst 2006?
Ich denke, wir sind füreinander ein Glücksfall, die Jungs für mich und ich
für die Jungs. Ich möchte hier nicht anfangen mit Gläserrücken und Yogitee
und so`m Zeug. Aber ich glaube an das Schicksal und an seine Kraft und ich
denke unser gemeinsames Lo(o)s hat uns zusammengeführt. Was wir jetzt daraus
machen liegt in unseren Händen.
Sie sind als Schauspielerin sehr gefragt und in vielen Rollen zu sehen.
Könnten durch Ihr Engagement als Frontfrau bei Silly jetzt nicht mehr
Regisseure auf Sie aufmerksam werden? Was wird dann aus der Band?
Regisseure interessieren sich nicht für mich als Sängerin. Die Anzahl der
Musikfilme, die in unserem Land gedreht werden, bewegen sich gegen null. Ich
mache schon mein ganzes Leben Musik und die Regisseure, die mich gut kennen,
wissen das. Ich hab auch schon viele Songs für Filme gemacht, oder in Filmen
gesungen, aber mein Wert für einen Regisseur steigt durch mein
Silly-Einstieg nicht, die meisten bekommen es ja nicht mal mit.
Und die, die mich kennen, wissen um mein Engagement für Silly und schätzen
den Kraftakt und meinen Mut. Aber wie gesagt: die kennen mich.
Wie finden Sie den zeitlichen Spagat zwischen den Auftritten mit Silly und
Ihrer Tätigkeit für Film und Fernsehen?
Spagat konnte ich mit 18, da hab ich getanzt und mich jeden Morgen gedehnt.
Heute mache ich keinen Spagat mehr, ich organisiere mich. Da ich keine
Serien spiele, sondern nur Filme drehe, habe ich nicht das ganze Jahr über
Dreharbeiten. Für unsere Tour zum Beispiel habe ich mir komplett drehfrei
genommen, das heißt bis zur letzten Konsequenz jedes Angebot, was ich für
diese Zeit erhalten habe, abgelehnt. Die Schauspielerei und auch die Musik
haben viele Gemeinsamkeiten. Sie sind seelenverwandt und beide Seelen
schlagen in meiner Brust. Ich liebe die Schauspielerei und die Musik. Im
Moment sehe ich keinen Grund, mich für eins und damit gegen das andere zu
entscheiden.
Als gebürtige Brandenburgerin stammen Sie aus dem Osten. Hier leben die
meisten Fans der Gruppe. Soll Ihr Bekanntheitsgrad Silly bundesweit
populärer machen?
Ich denke, ich "soll" gar nichts. Wir haben uns nicht zusammengetan aus
marktstrategischen Gründen, sondern weil uns eine Leidenschaft und eine
Kraft verbindet. Und wir versuchen gute Musik zu machen, die Musik aus
Silly`s Vergangenheit und die Musik für eine "Silly-Zukunft".
Die Altersgrenze unter den Besuchern scheint bereits nach unten zu gehen.
Ist das auch Ihr Verdienst?
Mein Verdienst ist, dass ich bisher nicht vor Aufregung gestorben bin, bevor
ich die Bühne betreten habe, dass ich seit Monaten meine Stimme trainiere,
damit sie diese ungewohnte Anstrengung schafft, dass ich mir das Rauchen
abgewöhnt habe und sehr, sehr hart an mir arbeite, um die Aufgabe als
Frontfrau bei Silly zu meistern. Wir freuen uns über jeden neuen Fan, egal
welches Baujahr.
Erleichtert die fast intime Atmosphäre während der Elektro-Akustik-Tour das
Antasten ans Konzertpublikum? Manche Anhänger finden das Sitzen ungewohnt
für Konzerte mit Silly. Wie erleben Sie die Auftritte?
Für mich ist diese Annäherung genau der richtige Weg. Musikalisch werden die
Lieder auf unserer Tour fast auf ihre Essenz dezimiert, was ihre Qualität
unterstreicht und zu sehr interessanten Arrangements geführt hat, so dass
auch die für Silly-Fans bekannten Lieder eine neue Nuance bekommen. Der
intime Charakter der Konzerthäuser erleichtert mir natürlich den Einstieg,
denn durch die nicht so anonyme Atmosphäre baue ich fast schon eine
persönliche Verbindung zu den Fans auf. Und am Ende hat bisher kaum noch
jemand auf seinem Stuhl gesessen.
Berührungsprobleme scheinen Sie als Sängerin und Schauspielerin nicht zu
kennen, oder etwa doch?
Ich bin ein sehr empfindlicher Typ, hab aber über die Jahre ein sehr dickes
Fell entwickelt. Das hilft mir jetzt, mit überraschenden Situationen
klarzukommen.
Hilft Ihnen Ihr schauspielerisches Talent als Sängerin? Kann man beides
überhaupt miteinander vergleichen?
Beides sind Künste, in denen man etwas darstellt. Aber beim Schauspiel
spiele ich eine Rolle, und die ist nur ein Teil von mir oder erfasst nur
einen Teil von mir. Beim Singen und als Sängerin von Silly bin ich zu 100
Prozent ich selbst, es gibt keine Rolle. Und wenn das Publikum mich annimmt
oder mich durchfallen lässt, dann ist das nicht eine Rolle, die nicht
funktioniert hat, sondern das bin ich.
Wie groß ist heute der Schatten von Tamara Danz, die bis zum ihrem Krebstod
1996 Silly nicht nur ihre Stimme gab, sondern als Geist der Band galt?
Tamara ist immer da, durch die Lieder, durch die Band, durch die Fans, durch
ihr Elternhaus in Münchehofe. Sie ist und war nun mal ein ganz
entscheidender Teil von Silly. Ich sehe sie nicht als Schatten, ich habe so
viel von ihr gehört und ich denke, ich habe mich durch ihre Lieder sehr mit
ihr beschäftigt. Für mich ist sie eher ein guter Geist, der mich antreibt
und mir Mut zuspricht, wenn ich mal kurz die rosa Brille hochnehme oder
nicht alles glatt läuft.
Mit Veröffentlichung der CD "Hurensöhne" hat Tamara Danz die Texte von Silly
geschrieben. Können Sie sich ebenfalls vorstellen, Liedtexte zu verfassen?
Ich mag die Texte, die Tamara selbst geschrieben hat, am liebsten, weil sie
so unglaublich emotional sind. Das ist etwas, was mir sehr nah ist. Tamara
hat sich damals nicht hingestellt und Texte drauf los geschrieben, sie hat
einige Jahre gebraucht, um es sich zuzutrauen und sich dann vorsichtig Hilfe
heran getastet. Natürlich werde ich versuchen, Texte zu schreiben, denn es
gibt viel, was ich zu sagen habe und ich bin ein Fan vom gesungenen Wort,
das eine hohe Authentizität besitzt und dadurch berührt. Dabei scheue ich
mich nicht, Hilfe anzunehmen von Künstlern, von Textern, die ich schätze und
mit denen ich eine gemeinsame Ebene habe.
Auf neue Lieder müssen die Fans noch etwas warten. Wie lange etwa? Wird es
eine andere, "neue" Musik sein?
Silly steht bisher für musikalische Qualität und auch für Texte, die etwas
zu sagen haben. Das soll auch zukünftig das sein, was Silly auszeichnet. Mal
sehen, wo genau wir landen, wir sind selbst auch sehr gespannt, wo unsere
Reise hinführt. Anfang 2008 hoffen wir, ein neues Album vorlegen zu können.
Aber alle, die Silly kennen, wissen, dass sie nur das, was sie selbst lieben
und schätzen, auch veröffentlichen werden. Letztendlich muss dafür soviel
Zeit wie nötig zur Verfügung stehen. Es ist auf jeden Fall eine schwierige
und wichtige Aufgabe und ein großer Schritt - vom Wiederbeginn der Band,
unserer Zusammenkunft und ersten Probe, unserer Tour bis hin zum neuen
Silly-Album.
In der Bandbiographie heißt es: ‚Silly war ein Versprechen, von dem man
hoffte, dass es gehalten wird'. Welchen Anteil möchten Sie an dieser Mission
leisten?
Ich möchte meinen Teil der Verantwortung übernehmen, für ein Stück meiner
Geschichte, und ich möchte gleichzeitig dafür sorgen, das Silly noch nicht
Geschichte ist, sondern dass die Band lebt. Silly stand für mich für etwas
ganz Außergewöhnliches und vielleicht liegt mir deshalb auch so viel an den
Jungs und ihrer Musik.
Quelle:
Mario Keim
Pressebüro |
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